Stoffe kaufen in Paris

Endlich ging es wieder nach Paris Stoffe kaufen. Ich wollte diesmal strukturierter an die Sache rangehen. Ich wußte grob, was ich wollte, keine Basics, das finde ich ausreichend daheim, aber Toile de Jouy aus mindestens 20 Motiven und jeweils in 5-6 Farben auswählen, ein Paradies! Oder wo kann ich in Deutschland zwischen vielleicht 20 unterschiedlichen Leinenstoffen wählen? Außenstehende würden keinen Unterschied sehen, aber der eine ist mehr beige, der andere geht mehr ins grau. Dann ist der eine ganz weich, der andere mehr steif. Und dann gibt es alles noch mit oder ohne Streifen, mit nur einem Streifen oder sogar zwei Streifen, schmales Karo, breites Karo, den Streifen in blau, rot, gelb, grün...  usw.  Also, auf geht's Richtung Place Saint-Pierre, am Fuße des Montmatre.
Place Saint-Pierre, Paris
Da ich eine Wunschliste im Kopf hatte, war mein Plan ganz simple: ins gehe ins erste Geschäft rein, gucke mich um, verschaffe mir einen Überblick über Angebot und Preise, gehe dann ins nächste Geschäft, schaue, prüfe, usw. ... Und was war? Zu Dreyfus rein, geschaut, nicht geprüft und gekauft.

Dreyfus, 2 Rue Charles Nodier, 75018 Paris

Bei Dreyfus gibt es alles, wirklich alles. Die Auswahl an Kleiderstoffen beinhaltet Tweed, Seide, Synthetikfasern, Futterstoffe und Baumwolle in verschiedensten Ausrüstungen. Dann geht es weiter mit Markisen und Gardinen- und Möbelstoffen, sogar eine riesige Auswahl an Frottee gibt es. Da frage ich mich immer, ob es so viele Menschen gibt, die ihre Handtücher selber  nähen? Wofür brauche ich sonst solche Mengen  und Auswahl an Frottee? Im Erdgeschoß gibt es in der hintere Ecke der Etage Patchworkstoffe. Da finde ich die Auswahl bei Reine allerdings größer. Ich bewege allerdings nur in Etage 2 und 3 und muß mich dann wirklich massiv zur Ordnung rufen, um nicht total verschuldet den Laden zu verlassen. Ein hilfreiches Kriterium ist immer die Frage: Kann ich das alles tragen? Oder auch:  Paßt das in den Koffer? Früher habe ich immer gedacht: leg es halt erst mal zur Seite, irgendwann brauchste das mal. Das ist vorbei. Im Zug auf der Hinfahrt habe ich genau berechnet, wie hoch der Verbrauch beim Zuschnitt bestimmter Artikel ist. Aber manchmal war der Preis doch so überzeugend, daß es dann doch die doppelte Menge geworden ist. Der Satz "aber daheim kriegste so etwas nicht" war dann immer ausschlaggebend. Und obwohl ich schon lange Arme vom Tragen hatte, zog es mich dann magisch zu Reine rüber. 

Reine, 5 Place Saint-Pierre, 75018 Paris, Frankreich
 
Im Erdgeschoß bei Reine dominieren Patchworkstoffe, diverse Kleiderstoffe aus Baumwolle, Viskose und Gemischen. Und eine riesige Auswahl an Seide in jeglicher Qualität, Muster und Farbe. Die Treppen hoch findet man Dekostoffe, Polsterstoffe und Gardinen inklusive dem passenden Zubehör bis hin zur Gardinenstange. Sie haben auch ein großartige Auswahl an Bändern, Borten, Kurzwaren, und, und, und.... Man kann es ein wenig im Fenster der 1.Etage sehen. Natürlich gibt es hier einige Stoffe, die ich auch schon drüben bei Dreyfus gesehen habe, aber preislich konnte ich keine dramatischen Unterschiede feststellen. Tchja, und dann habe ich noch mehr Stoffe bei Reine gekauft. Ich war wie von Sinnen.  Und nun bin ich wirklich erstmal ins Hotel. Erstens hätte ich nicht ein Gramm  zusätzlich tragen können und ich mußte mir auch dringend einen Überblick über die Einkäufe verschaffen. Also im Hotel alle Stoffe aufs Bett und nach Material und nach Farbe sortieren. So läßt sich gut sehen, fehlen noch Unis als Ergänzung oder ist eine Farbe zu übermächtig. Am nächsten Morgen wieder zum Place Saint-Pierre und mit einer Nachtverarbeitung  ging ich auch etwas nüchterner und sachlicher an die Sache ran. So wie eigentlich auch geplant. Ich kaufte nur noch wenige Ergänzungen. In der Tat fiel mir kein Stoff mehr in die Hände, mit dem ich am Vortag nicht schon geliebäugelt hatte. 

Moline, 3 Rue Charles Nodier, 75018 Paris

Nebenan ist das Geschäft Moline. Das ist gar nichts für mich. Am ersten Tag war ich nachmittags da und der Laden sah aus wie ein Schlachtfeld. Ok, ist eben so um diese Tageszeit, aber am nächsten Tag, morgens um 10 Uhr, war auch nur mäßig aufgeräumt. Die konfektionierten 3 Meter Coupons sind fixiert, das empfinde ich als seltsam, ich möchte gerne den Stoff von der Rolle bzw. Ballen abwickeln und auf mich wirken lassen. Aber auch von den Motiven und Qualitäten sprach mich nichts an, viel Synthetik und afrikanische Drucke. Wer so etwas sucht, für den ist das dort eine Fundgrube. Das Geschäft an der Ecke Les Coupon de Saint Pierre ist vergleichbar mit Moline.

Frou-Frou, 6 rue de Livingstone, 75018 Paris

Wer Patchworkstoffe und Kurzwaren in Hülle und Fülle sucht, geht am besten schräg rüber zu Frou-Frou. Alle Stoffe sind nach Farbfamilien geordnet, und dazu gibt es immer passend diverse Bänder, Borten, Schleifen..... Optisch ist dieser Laden zum chaotischen Nachbarn eine Wohltat fürs Auge, dafür zahlt man aber auch etwas mehr. Ich habe dort noch nie etwas gekauft, aber ich gehe immer wieder rein, weil ich das Ambiente so schön finde.

Bonheur des Dames, 40 Rue du Colisée, 75008 Paris

Im Internet habe ich von Bonheur des Dames gelesen, es soll wie der Name sagt, das Paradies der Damen sein. Da es ganz in der Nähe von meinem Hotel lag, wollte ich mich davon überzeugen, ob der Name hält, was er verspricht. Und es lohnte sich. Gott, was für ein wunderschön nostalgischer Laden. Er ist ganz klein und liegt in einer der typischen Pariser Passagen. Man muß allerdings wirklich eine Vorliebe für Vintage-Stickereien haben, dann ist es wahrlich das Paradies. Ich war positiv überrascht, daß die Verkäuferin im Laden ein ganz junges Mädchen war. Während ich mich umschaute, stickte sie an einer grandiosen Tischdecke, so filigran und exzellent ausgeführt. Sie erzählte, daß sie an einer großen Tischdecke ca. 200 Stunden arbeitet. Bin beeindruckt. Es gibt eine große Auswahl an Stickstoffen als Meterware, Stick-Kits, Bücher rund um das Thema Sticken und natürlich Garne. Natürlich habe ich etwas gekauft, war ja klar.

Und dann mußte ich noch unbedingt zu Les Brodeuses Parisiennes. Von der Sache ist es ähnlich wie Bonheur des Dames. Alles dreht sich ums Sticken. Auch hier gibt es Bücher, Vorlagen, Kits und Stickgarn. Außerdem wunderschöne Küchenhandtücher aus Leinen, die man mit all den nostalgischen Motiven verschönern kann. Und auch hier bin ich mit einer Tüte raus marschiert. War auch klar.

So, die Taschen und Koffer sind voll mit neuen Materialien, auf geht's nach Hause. Im Zug mache  ich schon die ersten Pläne, was ich aus welchem Stoff nähe und welches Motiv ich zuerst sticke. Schlimm, es purzeln im Kopf gerade so viele Ideen durcheinander, das totale Chaos. Ich weiß, es wird wie immer sein, nach einige Tage trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich muß nur abwarten...



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